Mit Fotos von Ballerinen verarbeitet die ukrainische Fotografin Nika Ritshel die Schrecken des Kriegs. Auf Instagram hat sie mehr als 300.000 Follower.
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NewsTranskript
00:00Der Krieg ist in der Ukraine drei Jahre nach dem russischen Überfall auf das Land allgegenwärtig.
00:09Auch die Fotografin Nika Ritschel muss mit dieser Realität leben und setzt ihr Kunst gegenüber.
00:19Meine Fotografie handelt vom Leben, von den Jungen, den Schönen. Sie kann lustig sein oder traurig, aber sie handelt immer vom Leben.
00:37In diesem Studio in Kiew fotografiert Nika Ballerinen. Dieses Sujet entdeckte sie schon vor dem Krieg für sich.
00:45Im Jahr 2018 porträtierte sie die erste Ballerina. Danach ließ sie das Thema nicht mehr los. Auch nicht in Kriegszeiten.
00:55Diese Fotos zeigen, dass wir überhaupt noch am Leben sind. Im Mai 2023 gab es einen massiven Raketenbeschuss, täglich und zu jeder Zeit.
01:07Damals arbeiteten wir genau in diesem Studio und sahen draußen vor dem Fenster dieses Raketenfeuerwerk. Aber wir haben weitergearbeitet, denn niemand kann uns besiegen.
01:21Nach Kriegsbeginn aus dem Land zu fliehen, kommt für Nika nicht in Frage. Stattdessen startet sie ihre Blue and Yellow Serie mit Kostümen in den ukrainischen Nationalfarben.
01:34Eigentlich lebt Nika von ihren Fotos, aber mit dieser Serie verdient sie kein Geld.
01:41Alle Fotos aus dieser Serie sind für einen guten Zweck. Ich informiere interessierte Käufer vorher, dass 100 Prozent des Kaufpreises an einen Wohltätigkeitsverein gehen.
01:55An welchen genau, entscheide nicht ich, sondern das abgebildete Modell.
02:00Die Menschen in Kiew leben noch vergleichsweise sicher, denn die ukrainische Hauptstadt ist relativ gut vor Raketenbeschuss geschützt.
02:09Trotzdem kann niemand unbesorgt sein, denn einige russische Angriffe erreichen auch hier ihr Ziel.
02:15Oft können wir nachts nicht schlafen, weil es einfach laut ist.
02:20Wir lesen Telegram-Kanäle, sehen, dass eine Drohne oder Raketen im Anflug sind und erwarten einfach, dass jederzeit etwas passieren könnte.
02:31Da ist ein konstantes Gefühl der Angst um unsere eigenen Leben und die unserer Freunde und Familien.
02:37Drei Jahre Krieg, das heißt drei Jahre Tod und Zerstörung, vor allem in den Kampfgebieten im Osten der Ukraine.
02:44Verlässliche Angaben zu getöteten Soldaten und Zivilisten gibt es nicht. Die Zahl geht aber in die Hunderttausende.
02:56Das ist eine Tragödie für jeden von uns.
02:59Aber man kann nicht jeden Tag in Trauer verbringen. Diese Invasion dauert jetzt drei Jahre.
03:06Man kann nicht drei Jahre auf dem Sofa liegen und weinen. Aber dieser Ort hier ist eine Erinnerung an uns alle, was uns der Krieg kostet.
03:19Und so arbeitet Nika im Studio weiter.
03:22Denn das Leben muss auch im Krieg weitergehen. Und die Hoffnung bleibt, dass der irgendwann gut endet.
03:34Ich möchte wirklich glauben, dass wir am Ende in einer unabhängigen Ukraine leben.
03:39Dass wir alle wirklich frei sein werden und dass das nicht bloß Worte sein werden.
03:43Frei von unseren Nachbarn und diesem Schatten, den sie auf uns werfen.
03:53Mit ihren Fotos will Nika sich selbst und anderen Hoffnung machen. Hoffnung auf eine friedliche, selbstbestimmte Zukunft der Ukraine.
04:02Untertitel von Stephanie Geiges